Klimaretter Bio?
2008-08-27 16:34:37 - Umwelt-Reporter.Net
Wer Bioprodukte kauft, schützt auch das Klima – so denken vermutlich viele Verbraucher. Aber ist das wirklich richtig? Mit der Fragestellung, wie die herkömmliche und die ökologische Landwirtschaft zum Treibhauseffekt beitragen und wo konkrete Reduktionspotenziale liegen, hat die Verbraucherschutzorganisation foodwatch das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) beauftragt.
Hauptergebnis der Studie: Mit 133 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr stößt die deutsche Landwirtschaft fast ebenso viele Treibhausgase aus wie der Straßenverkehr. Sowohl die konventionelle als auch die ökologische Landwirtschaft tragen erheblich zum Treibhauseffekt bei. Die ökologische Landwirtschaft verursacht zwar rund 15 bis 20 Prozent weniger Treibhausgase, in der Milch- und Rindfleischproduktion schneiden Bio-Bauern aber teilweise schlechter ab als konventionelle Tierhalter.
So kann die Erzeugung von Bio-Rindfleisch bis zu 60 Prozent mehr CO2 verursachen als die von Fleisch aus konventioneller Tierhaltung. Die Herstellung von einem Kilogramm konventionellem Schweinefleisch verursacht so viel CO2 wie ein Mittelklassewagen, der 26 Kilometer fährt. Ein Kilogramm Rindfleisch aus herkömmlicher Mast schädigt das Klima wie eine 71-Kilometer-Fahrt. Wer Bioprodukte kauft, ernährt sich nicht automatisch klimaschonend. Ausschlaggebend für die persönliche Klimabilanz ist vielmehr die Menge an Rindfleisch und Milchprodukten, die der Einzelne verzehrt.
Die Landwirtschaft bietet enorme Möglichkeiten für den Klimaschutz: Der Ausstoß an Treibhausgasen könnte um 60 Prozent, sprich 80 Millionen Tonnen CO2 jährlich gesenkt werden. Die einfachste Maßnahme wäre, die Nutzung von Moorböden zu stoppen. Dadurch ließen sich die Treibhausgase um 30 Prozent reduzieren. Weitere 20 Prozent könnten durch die Umstellung auf ökologische Landwirtschaft eingespart werden. Langfristig muss jedoch der Ausstoß von Klimagasen um mehr als 50 Prozent sinken, zudem würde eine vollständige Umstellung auf Ökolandbau 70 Prozent mehr Fläche erfordern, nämlich etwa 10 Millionen Hektar. Da diese Fläche weder in Deutschland noch in Europa verfügbar ist, müssen vor allem Produktion und Konsum von Rindfleisch und Milch drastisch zurückgehen. Die Agrarpolitik, so die Forderung von foodwatch, müsse Teil der Klimapolitik mit konkreten Reduktionszielen werden.
Für weiterführende Informationen stehen der foodwatch-Report „Klimaretter Bio?“ sowie die ausführliche Studie des IÖW unter www.foodwatch.de zur Verfügung. (News-Reporter.NET/as)




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