Gebrauchtwagen-Geschäft wird zum Risiko
5. Mar 2010 - Auto-Reporter.NET
In den kommenden beiden Jahren kommen Restwertrisiken in Höhe von mehr als 1,6 Milliarden Euro auf die Automobilhändler und Hersteller zu. Die sich daraus ergebenden „Drohverluste“ werden für viele Händler zur Existenzfrage: Spektakuläre Insolvenzen im Automobilhandel lassen sich aus diesem Grund nur mit Unterstützung der Hersteller vermeiden. Das sind die ersten Ergebnisse der Studie „Optimierung im GW-Management“, die von der Dekra Automobil GmbH beim Institut für Automobilwirtschaft (IFA) an der Hochschule Nürtingen-Geislingen in Auftrag gegeben wurde.
Der wissenschaftliche Leiter der Studie, Prof. Willi Diez, sieht das bisherige Vermarktungsmodell für Gebrauchtwagen am Ende. Hauptsächlich beim Leasing von hochpreisigen Premiumautomobilen der oberen Mittelklasse und der Oberklasse fehlen Verwertungsketten der Hersteller. Das heißt, ein Premiumautomobil dürfe erst dann verleast werden, wenn feststünde, wie es anschließend vermarktet werden soll. Diese Aufgabe sei Sache der Automobilhersteller, da solche Verwertungsketten international organisiert werden müssten.
Die Studie befasst sich neben Deutschland auch mit anderen europäischen Märkten. Dabei zeigte sich im internationalen Vergleich, dass die Standzeiten in Deutschland mit mehr als 110 Tagen teilweise mehr als doppelt so hoch sind. In Großbritannien liegen die durchschnittlichen Standzeiten beispielsweise bei 45 Tagen – in den Niederlanden sind es 75. Um die finanziellen Belastungen aus dem Gebrauchtwagengeschäft zu reduzieren, bleibt eine Erhöhung des Umschlagfaktors demnach die wichtigste Herausforderung. Notwendig sei eine weitere Optimierung der Gebrauchtwagenprozesse von der Hereinnahme bis zum Verkauf, so die Empfehlung.
Das IFA-Institut geht davon aus, dass der Gebrauchtwagenmarkt in diesem Jahr nach dem Auslaufen der Abwrackprämie annähernd das Niveau des Vorjahres erreichen wird. Der Gebrauchtwagenmarkt werde durch das momentan niedrige Preisniveau gestützt. Im letzten Jahr sind die Gebrauchtwagenpreise um 3,1 Prozent gesunken. Im Gegensatz dazu treffe die voraussichtlich steigende Arbeitslosigkeit potenzielle Gebrauchtwagenkäufer besonders stark. Im vergangenen Jahr war der deutsche Gebrauchtwagenmarkt mit 6,01 Millionen Besitzumschreibungen zum vierten Mal in Folge gesunken. Verglichen mit dem Jahr 2008 bedeutet das einen Rückgang um 1,6 Prozent. Die vollständige Dekra/IFA-Studie erscheint voraussichtlich im Mai dieses Jahres. (auto-reporter.net/sr)






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