Kommentar: Irren Millionen Autobesitzer?

22. Jul 2010 - Auto-Reporter.NET

Eine Option, aber ganz sicher nicht die Regel: Tausche Rad gegen Auto. Foto: BCS/auto-reporter.net
 

Wieder einmal holt der Verkehrsclub Deutschland argumentativ weit aus, um dem Millionenheer von Pkw-Besitzern im Lande vor Augen zu führen, wie einfältig und obendrein unökonomisch es doch ist, ein eigenes Auto zu haben. Die reichlich abgegriffene Botschaft des VCD lautet: „Car-Sharing – das richtige Auto zur richtigen Zeit.“ Wie albern doch, ein Auto ganz allein für sich vorzuhalten, obwohl „privat genutzte Pkws durchschnittlich 23 Stunden am Tag nicht bewegt“ werden! Selbst als „Stehzeuge“ verursachten sie hohe Kosten. Der Anteil der Fixkosten durch Steuern, Versicherung und Wertverlust bleibe ja bestehen, „auch wenn das Auto nur wenig bewegt wird“. Das darauf noch niemand gekommen ist!

Geld sparen lasse sich dagegen mit Car-Sharing, dem „organisierten Auto-Teilen“, indem mehre Personen ein Auto nutzen. Der VCD wirbt: „Abgerechnet werden die Fahrten zumeist nach Dauer und gefahrenen Kilometern. Ein geringer monatlicher Grundbetrag falle für Reinigung, Wartung, Instandsetzung und Versicherung an. Die Fixkosten werden auf alle Nutzer umgelegt. Für den Einzelnen werde es wesentlich billiger als der Unterhalt eines eigenen Autos.

Und weiter mit der Werbung: „Großer Vorteil des Car-Sharing“ sei es, das geeignete Auto passgenau für den jeweiligen Anlass buchen zu können. „Einen Kleinwagen, um die Schwiegermutter samt Gepäck vom Bahnhof abzuholen, einen Kombi, um mit der Familie einen größeren Ausflug an den See zu machen, oder einen Kleintransporter für den Umzug.“ Alles kein Problem.

„Die Vorbestellung des gewünschten Fahrzeugs erfolgt telefonisch oder per Internet. Das Auto wird direkt am Stellplatz abgeholt.“ Mit diesen beiden eher beiläufigen Anmerkungen nähert sich der VCD einem erheblichen Nachteil des „Auto-Teilens“: Das „Wunsch-Fahrzeug“ muss erst gebucht und irgendwo in Empfang genommen werden. Spontanes Losfahren vor der eigenen Haustür? – Geht nicht.

Das erklärt dann ja auch, warum sich die jährliche Fahrleistung beim Wechsel vom eigenen Auto zum Car-Sharing „im Durchschnitt um mehr als die Hälfte“ verringere, was der VCD selbstverständlich begrüßt. Sein Argument: „Car-Sharing-Nutzer wägen häufiger als Autofahrer mit eigenem Pkw ab, ob es sich lohnt, ein Auto zu nehmen“. Erklärliche Überlegung! Schließlich müsste das Auto ja immer erst beschafft werden, ein Nachteil, der für den Verkehrclub durchaus etwas Gutes hat: Viele Kurzstrecken würden dann ohne Auto zurückgelegt und „unnötige Fahrten vermieden“. Damit entlaste Car-Sharing die Umwelt. Passt doch.

Und was dann, wenn es keinen Car-Sharing-Anbieter (in akzeptabler Reichweite!) gibt? Der VCD weiß Rat: „privates Auto-Teilen zwischen Nachbarn oder Freunden“. Empfohlen wird allerdings ein Vertrag über die gemeinsame Nutzung eines Fahrzeugs, um Streitigkeiten zu vermeiden. Und hervorgeholt wird gleich noch der alte Hut, dass aufs Auto angewiesene Pendler ja die Möglichkeit hätten, Fahrgemeinschaften zu bilden.

Fragen lassen die so hingebungsvoll gepriesenen Vorzüge eines Auto-Teilens: Irrt das weltweite Heer von Pkw-Besitzern, das der Argumentation eines deutschen Verkehrsclubs so gar nicht folgen will? – Wohl kaum. Nicht zu erschüttern ist die Überzeugung, dass sich individuelle Automobilität, weltweit geschätzt, zuerst auf spontane Verfügbarkeit eines eigenen Fahrzeugs gründet. Alles andere bleibt umweltpolitisch gesteuerte Polemik. (auto-reporter.net/Wolfram Riedel)

 
 
 

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