Privathaushalte: Rutsch in die Schuldenfalle
19. Jul 2010 - Wirtschafts-Reporter.NET
Immer mehr deutsche Haushalte sind zahlungsunfähig. Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen stieg im April 2010 um mehr als sechs Prozent und lag damit um 6,4 Prozent höher als im selben Monat 2009. Dies teilte das Statistische Bundesamt mit.
8.779 Verbraucher stellten beim Amtsgericht aufgrund ihrer Zahlungsunfähigkeit einen Antrag auf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Dadurch erhalten sie die Möglichkeit, nach der mindestens sechsjährigen Wohlverhaltensphase die restlichen Schulden erlassen zu bekommen. Die voraussichtlichen offenen Forderungen der Gläubiger bezifferten die Gerichte für den April 2010 auf 5,8 Milliarden Euro gegenüber 3,4 Milliarden Euro im April des Vorjahres.
In den Monaten Januar bis April 2010 wurden 11.024 Insolvenzen von Unternehmen, und damit ein Anstieg um 3,1 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum und 36.015 Insolvenzen von Verbrauchern (+ 11,3 Prozent) gemeldet. Insgesamt registrierten die Gerichte 56.648 Insolvenzen – 7,5 Prozent mehr als von Januar bis April 2009.
Unternehmen: Profitieren von anziehender Konjunktur
Deutsche Unternehmen profitierten dagegen offenbar bereits von der anziehenden Konjunktur. Die deutschen Amtsgerichte meldeten 2.794 Firmenpleiten. Das waren 6,2 Prozent weniger als im April 2009. Zusammen mit den Insolvenzen von anderen privaten Schuldnern und Nachlässen summierte sich die Gesamtzahl der Insolvenzen auf insgesamt 13.949 Fälle
Hauptursachen für Schulden
Das Statistische Bundesamt hat die Daten von 66.500 Personen bei der Schuldnerberatung ausgewertet. Demnach waren die häufigsten Ursachen für Überschuldung:
- Arbeitslosigkeit (28,2 Prozent)
- Trennung, Scheidung, Tod des Partners (13,8 Prozent)
- Erkrankung, Sucht (10,4 Prozent)
- Unwirtschaftliche Haushaltsführung (9,3 Prozent)
- Gescheiterte Selbständigkeit (9,3 Prozent)
- Gescheiterte Immobilienfinanzierung (4,1 Prozent)
- Unzureichende Kredit- oder Bürgschaftsberatung (3,5 Prozent)
- Zahlungsverpflichtung aus Bürgschaft (2,2 Prozent)
- Haushaltsgründung, Geburt eines Kindes (1,4 Prozent)
- Schadenersatz wegen unerlaubter Handlungen (0,5 Prozent)
- Unfall (0,4 Prozent)
- Sonstiges (16,6 Prozent)
(Fischer-Partner.ORG / N. Staub)





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