VW und Porsche machen einen großen Schritt Richtung 2018
5. Jul 2012 - Auto-Reporter.NET
Die Freude ist Martin Winterkorn anzumerken, als er heute in Wolfsburg vor die Presse trat und den Vollzug der Integration Porsches im Hause Volkswagen zum 1. August vermelden konnte. Und er hielt seine Bewunderung für die zwölfte Konzernmarke nicht zurück: Immer wieder aufs Neue sei er beeindruckt vom Erfindergeist, der Dynamik und der Leistungskraft der Porsche-Mannschaft. „All diese Stärken bringt Porsche nun in den VW-Konzern ein und wird sich und seinen Markenwerten dabei voll und ganz treu bleiben.“ Für den VW-Konzernchef ist der integrierte Automobilkonzern eines der bedeutendsten Vorhaben in der Automobilbranche. Winterkorn: „Volkswagen macht verstärkt mit Porsche einen weiteren großen Schritt auf dem Weg nach 2018. Davon werden alle profitieren. Ich bin überzeugt: Gemeinsam haben wir mehr denn je das Zeug, der beste Automobilkonzern zu werden.“
Dabei ging zum Schluss alles ganz schnell. Denn noch im vergangenen September hatten beide Unternehmen mitgeteilt, dass die in der 2009 beschlossenen Grundlagenvereinbarung (GLV) vorgesehene Verschmelzung der Volkswagen AG und Porsche SE nicht im vereinbarten Zeitrahmen bis Ende 2011 umsetzbar sein würde. Auch die vorgesehenen Put-/Call-Optionen machten wegen ihrer steuerlichen Behandlung eine Integration des Automobilgeschäfts vor dem 2. Halbjahr 2014 wirtschaftlich nicht sinnvoll. Es wurde nach Alternativen gesucht. Und sie wurden gefunden: Möglich wurde das beschleunigte Integrationsmodell durch ein Umwandlungssteuergesetz.
100 Prozent Porsche
„Es ist geschafft!“ Mit diesen Worten leitete VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch heute seine Erläuterungen zur Lösung des komplizierten Integrationsverfahrens ein. „Wir sind auf dem Weg zum integrierten Automobilkonzern von Volkswagen und Porsche am Ziel angelangt.“ So wird die Porsche Holding SE ihren operativen Holdinggeschäftsbetrieb einschließlich ihrer 50,1-prozentigen Porsche-Beteiligung in die Volkswagen AG einbringen, die bereits indirekt 49,9 Prozent am Porsche-Sportwagengeschäft hält. Nach Abschluss der Transaktion wird Volkswagen über eine Zwischenholding 100 Prozent der Anteile an der Porsche AG halten.
Die Wolfsburger zahlen für die restlichen Porsche-Anteile rund 4,46 Milliarden Euro an die Porsche-Dachgesellschaft, plus eine VW-Stammaktie. Die Barleistung setzt sich zusammen aus einem Eigenkapitalwert (3,88 Milliarden Euro) und verschiedenen Ausgleichsposten. Dazu gehören u.a. der Porsche SE entgehende Dividendenzahlungen aus ihrem mittelbaren Anteil an Porsche sowie Vergütungen der durch die beschleunigte Integration realisierbaren Nettosynergien (320 Millionen Euro).
Schnelle Integration, schnelles Heben von Synergien
„Die beschleunigte Integration ermöglicht es, schneller mit der Umsetzung einer gemeinsamen Strategie für das Automobilgeschäft von Porsche zu beginnen, wichtige gemeinsame Projekte zügiger zu realisieren und so zusätzliche Wachstumsmöglichkeiten in attraktiven Marktsegmenten zu realisieren“, betonte Pötsch. Jetzt könnten sich Volkswagen und Porsche voll auf das operative Geschäft konzentrieren und gemeinsam Synergien heben.
Neubewertung
Die Vollkonsolidierung des hochprofitablen Automobilgeschäfts von Porsche wird nach Ansicht des Finanzvorstands einen positiven Einfluss auf das Konzernergebnis von Volkswagen haben: „Im operativen Ergebnis des laufenden Geschäftsjahres werden die anfänglich hohen Abschreibungen aus der sogenannten Kaufpreisallokation den Ergebnisbeitrag voraussichtlich weitestgehend ausgleichen.“ Die Vollkonsolidierung wird für Volkswagen eine Neubewertung der bislang gehaltenen Anteile an der Porsche Zwischenholding GmbH zum Zeitwert nach sich ziehen. Pötsch geht davon aus, dass dies im laufenden Jahr zu einem „deutlich positiven, nicht liquiditätswirksamen Effekt in Höhe von mehr als neun Milliarden Euro“ im Finanzergebnis des VW-Konzerns führen wird. Die Nettoliquidität im Automobilbereich wird allerdings voraussichtlich um insgesamt rund sieben Milliarden Euro zurückgehen: „Neben der Barleistung in Höhe von rund 4,46 Milliarden Euro wird sich die erstmalige Konsolidierung der negativen Nettoliquidität der Porsche AG voraussichtlich in Höhe von minus 2,5 Milliarden Euro im Volkswagen-Konzern liquiditätsmindernd auswirken.“
In dem Zusammenhang hebt Pötsch explizit hervor, was ihm als Finanzchef besonders am Herzen liegt: „die Solidität unserer Finanz- und Liquiditätslage sowie die Aufrechterhaltung unseres guten Ratings“. (Auto-Reporter.NET/arie)






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